Kultur braucht eine Stimme

APWPT informiert über aktuelle Fragestellungen der Funkfrequenznutzung drahtloser Mikrofone
und vergleichbarer Technik im Rahmen des deutschen Kunst-, Kultur- und Kreativsektors,
zum Beispiel bei Veranstaltungen, Konzertproduktionen und der Content-Produktion:

Entschädigungen für "Digitale Dividende 2", 700MHz

(Helmut Bauer, März 2016)

Leitfaden für Ausgleichzahlungen

Seit 1. Januar 2016 können Nutzer bei der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV) Anträge auf Ausgleichzahlungen für drahtlose Produktionsmittel stellen, wenn diese wegen der Versteigerung des 700-MHz-Bandes und der Verlagerung von TV-Sendern in dem Bereich 470-694 MHz gestört werden.
Grundlage ist die „Richtlinie über die Gewährung von Billigkeitsleistungen für Ausgleichszah-lungen an Nutzer drahtloser Produktionsmittel („PMSE„) für aus der Umwidmung der Frequenzen im Frequenzbereich 694-790 MHz resultierende Umstellungskosten (RL-UmstKoP-MSE700)„

Eine ausführliche Beschreibung entnehmen Sie bitte diesem Dokument:
Entschädigungen für "Digitale Dividende 2" beantragen [262 KB]

Quelle der Informationen: SOS - Initiative Save Our Spectrum

Zu Geräten im Frequenzbereich 790 bis 814 Megahertz informieren wir hier:
Hinweise zur Entschädigung für Geräte im 800 MHz-Bereich

Update März 2016

Beratung des Deutschen Bundesrats in Berlin, 18. März 2016

Der Deutsche Bundesrat hat den Vorschlag der Europäischen Kommission zu einer geänderten
Nutzung des UHF-Fernsehbereichs abgelehnt.

Hier erhalten Sie weitere Informationen:
Deutscher Bundesrates lehnt Vorschläge der EC ab

APWPT hat sich bereits am 11. März in Brüssel im Rahmen einer Beratung mit der Europäischen Kommission für die Belange drahtloser Produktionswerkzeuge eingesetzt. Es wurde vereinbart, dass sowohl zu Audio- als auch Video-PMSE weitere Sachabstimmungen stattfinden sollen.
Zuvor werden wir mit den APWPT-Mitgliedern das weitere Vorgehen beraten.

Update Oktober 2015

Der Bundesanzeiger (D) hat eben den Text einer Richtlinie veröffentlicht:

„Richtlinie über die Gewährung von Billigkeitsleistungen für Ausgleichszahlungen an Nutzer drahtloser Produktionsmittel („PMSE“) für aus der Umwidmung der Frequenzen im Frequenzbereich 694 bis 790 MHz resultierende Umstellungskosten (RL-UmstKoPMSE700)“

BMVI-Homepage:
Richtlinien zur finanziellen Unterstützung von Altnutzern des 700-MHz-Bandes / Unverbindliche APWPT-Kopie [365 KB]

Update vom 12.11.2015:
Die Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV) hat das das Antragsverfahren über die Gewährung von Ausgleichszahlungen im Zuge der Digitalen Dividende II übernommen.
In einer Veröffentlichung stellt die BAV weitere Informationen bereit: Pressemeldung [30 KB]

Bis August 2015 Frequenzzuteilung beantragen!

Wer drahtlose Produktionsmittel wie z.B. eine Funkmikrofonanlage in den Frequenzbereichen ... 694 – 790 MHz betreibt, sollte bereits jetzt sicherstellen, dass er eine Entschädigung für nicht mehr nutzbare Anlagen oder deren Umrüstung beantragen kann. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass eine gültige Frequenzzuteilung vorliegt. Soweit diese nicht vorhanden ist, sollten Nutzer sie so schnell wie möglich beantragen. Wir empfehlen, den Antrag für die Frequenzzuteilung möglichst bis 1. August 2015 bei der Bundesnetzagentur einzureichen, damit er noch bearbeitet wird.

Hintergrund

Nach der Versteigerung des Spektrums 694 – 790 MHz („Digitale Dividende 2“) an den Mobilfunk müssen TV-Sender und drahtlose Produktionsmittel von dort in den Frequenzbereich 470 – 694 MHz umziehen. Viele Anlagen aus dem 700-MHz-Bereich sind technisch aber nicht für dieses Frequenzspektrum ausgelegt. Außerdem wird es dort zusätzliche Störungen durch die umgezogenen TV-Sender geben. Welche Frequenzen drahtlose Produktionsmittel im neuen Spektrum künftig genau nutzen können, ist von Einsatzort zu Einsatzort verschieden. Erst wenn die Koordinierung der Frequenzen mit dem Ausland abgeschlossen und die meisten TV-Sender on Air sind, wird Klarheit herrschen, wo Störungen auftreten.
Auch wenn Sie noch nicht wissen, ob Sie zu den Betroffenen gehören, sollten Sie unbedingt bereits jetzt handeln.

Quelle: Helmut G. Bauer

APWPT: Sie finden weitere Information im Abschnitt unterhalb.

Die Erstattungsrichtlinie im Endspurt?

1. Status
Die Erstattungsrichtlinie (Stand 23.03.2015) ist zwischen den BMVI und BMF offenbar inhaltlich final abgestimmt.
Ungeklärt ist noch, wer für die Bearbeitung der Anträge zuständig ist. Wie in der Vergangenheit soll dies vom BAFA erledigt werden. Da das BAFA in den Zuständigkeitsbereich des BMWi gehört, müssen BMVI und BMWi dazu noch eine Vereinbarung abschließen. Dies soll bis Ende Mai 2015 abgeschlossen sein. Sobald dies erfolgt ist, soll die Erstattungsrichtlinie im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

2. Frequenzzuteilung
Antragsberechtigt sind nur Nutzer, deren Frequenzzuteilung vor dem 01. Oktober 2015 ausgestellt wurde.
Alle Nutzer, die bisher noch keinen Antrag auf eine Frequenzzuteilung gestellt haben, sollten dies bis zum 01. August 2015 nachholen. Nur dann können sie sicher sein, dass die Bundesnetzagentur die Anträge noch rechtzeitig bearbeitet und die Zuteilungen ausstellt.
Um diesen Antrag zu stellen, muss man nicht auf die Veröffentlichung der Erstattungsrichtlinie warten. Er sollte sofort gestellt werden!
Den Antrag gibt es unter folgendem Link: Antrag auf Frequenzzuteilung für nichtöffentlichen mobilen Landfunk

Allgemeine Informationen sind unter folgendem Link zu finden: PMSE - Programme Making and Special Events

3. Anspruchsberechtigt
Die Richtlinie unterscheidet zwischen gewerblichen und nicht-gewerblichen Nutzern (§4 PMSE-Richtlinie).
Bei den gewerblich tätigen Nutzern wird der steuerrechtliche Abschreibungszeitraum von drei Jahren zugrunde gelegt (AfA-Tabelle Fernseh-, Film- und Hörfunkwirtschaft). Aus diesem Grund ist die Erstattung für diese Nutzergruppe auf Geräte beschränkt, die zwischen dem 01. Januar 2012 und dem 1. März 2015 angeschafft wurden (§2 Abs. 2 lit. a PMSE-Richtlinie).
Für nicht-gewerbliche Nutzer wird eine fiktive Abschreibung zugrunde gelegt. Deshalb werden Geräte anteilig erstattet, die in der Zeit zwischen dem 1. Januar 1997 und dem 31. März 2015 angeschafft wurden.

4. Betroffenheit
Für drahtlose Produktionsmittel, die im Frequenzbereich zwischen 694 bis 790 MHz betrieben wer-den, wird beim Vorliegen aller anderen Voraussetzungen eine Entschädigung gewährt.
Für Geräte, die im Bereich von 470 bis 694 MHz betrieben werden, erhalten die Nutzer ebenfalls eine Entschädigung, wenn die Geräte aufgrund der geänderten Rundfunkbelegung im Frequenzbereich 470 bis 694 MHz nicht mehr eingesetzt werden können.
Ob ein drahtloses Produktionsmittel im Bereich von 470 bis 694 MHz konkret betroffen sein wird, steht zurzeit noch nicht fest, da die Koordinierung der neuen DVB-T2 Sender noch nicht abgeschlossen ist und noch nicht feststeht, welche DVB-T Sender wie lange noch parallel betrieben werden.

5. Arten der Nutzer
Die PMSE Richtlinie gibt vor, dass nur die Geräte, die als „Funkanwendung professioneller drahtloser Produktionen betrieben werden“ (§ 2 Abs. 1 li a. und b PMSE-Richtlinie), einen Anspruch auf Erstattung haben. Unter einer professionellen drahtlosen Produktion versteht die Richtlinie folgendes:
„Professionelle drahtlose Produktion ist der gewerbliche und fachmännisch ausgeübte Einsatz drahtloser Produktionsmittel. Hierzu zählen Programmproduktionen sowie sonstige professionelle Veranstaltungen und Einrichtungen, wie Theateraufführungen, Konzerte professioneller Musikgruppen oder professionelle Dienstleistungen der Veranstaltungstechnik.“

In den Ausführungsbestimmungen wird wahrscheinlich weiter ausgeführt werden, wie dies im Zweifel im Einzelfall zu belegen sein wird.

Quelle: HGB

Stand: April 2015

700 MHz - "Entschädigung" geht in die zweite Runde


Noch ist die Versteigerung des 700 MHz-Spektrums nicht abgeschlossen, da bereitet das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVi) eine Regelung zur "Entschädigung" von Nutzern drahtloser Produktionsmittel vor.

Wir erinneren uns mit gemischten Gefühlen an die letzte “Billigkeitsrichtlinie”, welche nach der Versteigerung im Jahr 2009 mit vielen bürokratischen Hürden versehen war und nur auf Grund vieler Einsprüche nachträglich geändert wurde. Um die schlechten Erinnerungen zu vermeiden, soll die neue Richtline jetzt auch einen neuen Namen bekommen: Ausgleichszahlung!

Ziel der Ausgleichszahlungen
BMVi: Anfangsberechtigung ist die Fähigkeit den 700 MHz-Bereich zu verlassen. Die Nutzung kann aber theoretisch fortgesetzt werden.

Wichtig
Voraussetzung für die Ausgleichszahlung ist eine BNetzA-Genehmigung für den 700 MHz-Bereich.

Ist es möglich nachträglich eine Genehmigung zu erhalten, um Zahlungen beantragen zu können?
Ja.
Bis Ende März können alle Eigentümer drahtloser Werkzeuge (PMSE) nachträglich eine Genehmigung bei der BNetzA beantragen- ab 1. April (Update 26.03.2015: der Termin ist offenbar auf 1. Oktober verlängert worden) ist dies nicht mehr möglich.
Wer also Funkstrecken im 700 MHz-Bereich betreibt, ohne eine Lizenz bei der BNetzA erworben hat, sollte jetzt schnell handeln.
Weitere Einzelheiten einer künftigen Ausgleichszahlung sind noch in der Diskussion.

Wie stellt man einen Antrag?
Die Einzelzuteilung für drahtlose Mikrofone oder Rückstrecken (IEM) erfolgt auf Antrag, der an die Bundesnetzagentur gerichtet werden muss.

Ein Antragsformular ist hier erhältlich: Antrag - Durchsagefunk

Stand: Februar 2015 , Update März 2015

700 MHz unter dem Hammer - wie weiter?

Am 11. Dezember haben sich Bundesregierung und Bundesländer auf die Versteigerung von Funkfrequenzen im kommenden Jahr geeinigt. Die Vereinbarung kam nach verschiedenen Medienberichten zustande, da die Bundeskanzlerin den Ministerpräsidenten die Häfte der Einnahmen aus den Versteigerungserlösen für die Länder angeboten hat. Unter den Hammer kommen auch der 700 MHz Bereich.

Unter den Telefongesellschaften bricht aber kein Jubel aus. Zum einen sind sie verärgert über die Wieder-Versteigerung im 900 MHz Bereich und 1800er Bereich. Bei den neuen Frequenzen um 700 MHz könnte das Bieten schnell vorbei sein, weil das Spektrum in sechs Häppchen (jeweils 2 x 5-MHz-Blöcke für Sende- und Empfangsrichtung) unter den Hammer kommen soll. Bei drei großen Anbietern könnte ein Ergebnis theoretisch schnell zustande kommen (was sich auf den erhofften Erlös auswirken könnte.)

Laut einem Bericht auf heise.de sollen die Interessen der Veranstaltungsbranche aber berücksichtigt werden. In dem Artikel heißt es dazu:

Mit Blick auf die Belange der Nutzer drahtloser Mikrofone weist die Bundesnetzagentur darauf hin, dass künftig alle professionellen Nutzer ungenutztes Spektrum aus dem UHF-Band verwenden können (PMSE-Anwendungen, Programme Making and Special Events). Die bisherige Aufteilung für “Funkmikrofone in rundfunknahen Anwendungen” (Rundfunkanstalten, 470 – 710 MHz) und “sonstige professionelle Anwendungen” (Theater, Schulen, Konzerte, Kirchen etc., 710 – 790 MHz) werde aufgehoben, sodass alle professionellen Nutzer die zugewiesenen Spektren gleichberechtigt nutzen können.
Dieser Nutzergruppe stünden dann auch europäisch harmonisierte Frequenzen unter anderem in den Duplexlücken bei 800 MHz und 1800 MHz sowie in dem neu erschlossenen Frequenzbereich von 1492 bis 1518 MHz zur Verfügung.

Drahtlose Mikrofone können dann in insgesamt acht Bändern eingesetzt werden; zusammen sind das 440 MHz, mein die BNetzA. Komisch ist nur, dass davon über 200 MHz versteigert werden sollen - ein Rechenfehler?

Künftiges Spektrum für PMSE und was davon in der Praxis bleibt:

* 32,475 – 38,125 MHz – in der Praxis kaum nutzbar, starke Störungen und riesen Antennen
* 174 – 230 MHz – in der Praxis eingeschränkt nutzbar wegen Störungen und DAB+ Ausbau
* 470 – 790 MHz - abzüglich 700 MHz der verbleibende UHF-TV-Rest mit regional hoher TV-Belegung
* 823 – 832 MHz – Duplexlücke, jetzt europäisch harmonisiert für PMSE, mögliche Mobilfunkstörungen
* 863 – 865 MHz – zu klein für Mehrkanal und wegen Allgemeinverfügung i.d.R. überlastet
* 1452 – 1518 MHz – neue Technik nötig, 1452-1492 werden versteigert, ab 1492 zukünftig Mobilfunk?
* 1785 – 1805 MHz – Duplexlücke, jetzt europäisch harmonisiert für PMSE, mögliche Mobilfunkstörungen
* 2400 – 2483,5 MHz – WLAN-Bereich mit intensiver Nutzung z. B. durch Datenenübertragung

Stand: Februar 2015

Vergabe des 700 MHz Spektrums an den Mobilfunk wäre ein schwerer Schaden
für das Kultur-und Kreativsegment und eine Reihe anderer Anwendungsbereiche

Kolumne von Matthias Fehr, APWPT Präsident
(Erstveröffentlichung: Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk anlässlich des Medientreffpunktes Mitteldeutschland [1.815 KB] , Mai 2014)

Der Kultur- und Kreativindustrie ist die Versteigerung der 800 MHz-Frequenz noch in unguter Erinnerung. Musste doch damals für das mobile Hochgeschwindigkeitsnetz LTE ein Spektrum freigeräumt werden, das bis dato vor allem Freizeit- und Sporteinrichtungen, Theater, Freilichtbühnen und Konferenzzentren für ihre Mikrofon- und Drahtlostechnik genutzt hatten.
Umso schlimmer, dass jetzt die Bundesnetzagentur (BNetzA) so schnell wie möglich die Versteigerung der 700 MHz-Frequenzen vorantreiben will, obwohl dieses Vorhaben im klaren Widerspruch zu mehreren Bundesratsentscheidungen steht. Begründet wird dies unter anderem durch folgende Aussage: „Mit einer möglichen Bereitstellung des 700-MHz-Bandes stünden zusätzliche wertvolle Frequenzen für den Ausbau hochleistungsfähiger Telekommunikationsnetze der nächsten Generation sowie das nachfragegerechte Angebot mobiler Breitbanddienste zur Verfügung“.

Zusammen mit den Deutschen Verbänden aus Kunst, Kultur und Kreativbranche lehnen wir dieses Vorhaben der Bundesnetzagentur mit Nachdruck ab und fordern die Vorlage eines Frequenzkonzepts für die drahtlosen Werkzeuge mit langfristiger Planungssicherheit.
Nicht zuletzt aufgrund der Untersuchungen der Deutsche Kommission Elektrotechnik (DKE), der Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE (DKE) ist eindeutig belegt, dass mit der Vergabe des 700 MHz Spektrums an den Mobilfunk die Kultur- und Kreativindustrie schweren Schaden nehmen würde. Zum einen verlieren wir langfristig massiv Arbeitsplätze zum anderen würde künftig aber auch die Versorgung der Bevölkerung mit Informationen und Veranstaltungen an Qualität einbüßen. Denn bislang hat die BNetzA kein ausreichendes Ersatzspektrum zur Verfügung gestellt und auch nicht aufzeigt, wie Großveranstaltungen in Zukunft durchgeführt werden sollen.

Wie geht es nun weiter? Die Bundesnetzagentur hat jetzt zu einer öffentlichen Kommentierung eingeladen. Diese soll am 5. Mai 2014 in Bonn stattfinden.
Unabhängig von den Ergebnissen dieser Beratung, ist es unser Ziel eine erneute Digitale Dividende zu verhindern bis adäquates und planungssicheres Ersatzspektrum zur Verfügung steht. Andernfalls würde das Lechzen nach weiteren Frequenzversteigerungen sicher auch nach dem jetzt zur Debatte stehenden 700 MHz-Spektrum nicht aufhören.

Die kommentierenden Verbände aus der Kunst, Kultur und Kreativbranche:
Bundesverband Freier Theater e.V. / Berufsverband Discjockey e.V. von 1982 - BVD / Deutscher Bühnenverein, Bundesverband der Theater und Orchester / Die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft e.V. (DTHG) unterstützt die Position des Deutschen Bühnenvereins / Verband Deutscher Tonmeister e.V. - VDT / Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik e.V. - VPLT / Association of Professional Wireless Production Technologies - APWPT

APWPT hat eine Sonderseite zur 700 MHz-Diskussion in Deutschland eingerichtet:
http://www.apwpt.org/international-news/germany/700-mhz-in-deutschland/index.html

Update 13. November 2014

APWPT unterstützt eine Initiative des Deutschen Bühnenvereins

APWPT-Brief an die deutschen Staatskanzleien:

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin,
Sehr geehrter Herr Staatssekretär,
Sehr geehrter Herr Ministerialdirigent,
Sehr geehrte(r) Sachbearbeiter(innen),

wir sind von unserem Mitglied, dem Deutschen Bühnenverein, über einen Schriftverkehr mit Ihnen informiert worden.

Mit Bezug auf einen Brief der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz an alle Staats- und Senatskanzleien, der Versteigerung des 700er Spektrums zuzustimmen, verweist der Deutsche Bühnenverein auf die Tatsache, dass der Brief so angelegt ist, dass von einer Zustimmung ausgegangen wird, wenn nicht bis zum 13. November 2014 ein Widerspruch des jeweiligen Landes bei der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz eingeht. Hier wird ein unverständlicher Zeitdruck aufgebaut, der sachdienliche und ganzheitliche Lösungen erschwert, und daher Ablehnung finden muss.

Im Namen ihrer Mitgliedsverbände und Mitglieder unterstützt die APWPT die ablehnende Position des Deutschen Bühnenvereins und das Befremden über dieses Vorgehen „weil in dem genannten Schreiben in keiner Weise eine Perspektive für die Frequenzversorgung von drahtlosen Mikrofonanlagen enthalten ist.“

APWPT bittet Sie dringend, sich umgehend für einen Widerspruch Ihres Landes gegen diese Vorgehensweise einzusetzen.

Es ist für uns unverständlich, warum sich Deutschland nicht für ein gesamt-europäisches Verfahren einsetzt und einen nationalen Alleingang riskiert. Im Rahmen der nächsten Weltfunkkonferenz werden umfassende Beschlüsse erwartet, die von der ITU-R sachdienlich, unter Berücksichtigung der drahtlosen Produktionsmittel, vorbereitet wurden und werden.
Nachfolgend erwarten wir ein 700 MHz-Regulierungsverfahren der Europäischen Kommission, wie diese gerade für den 800 MHz-Spektrumsverlust drahtloser Mikrofone stattgefunden hat und im europäischen Amtsblatt vom 3. September 2014 veröffentlicht wurde.

APWPT und ihre Mitglieder haben in mehr als 6 Jahren intensiv in einer Vielzahl von nationalen und internationalen Gremien mitgearbeitet und zu öffentlichen Kommentierungen ausführlich Stellung bezogen. Mit dieser umfassenden Erfahrung zur Nutzung drahtloser Produktionswerkzeuge im Rahmen des s.g. Kreativsegments stehen wir Ihnen gerne beratend zur Verfügung. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, dass bei zukünftiger Änderung der Frequenznutzung für alle Betroffenen, z. B. in Kunst, Kultur, Bildung und Sport, Planungssicherheit wiederhergestellt und langfristig gesichert wird.

Wir bitten Sie hierbei um Ihre nachdrückliche Unterstützung!

.................

Senden Sie Ihre Hinweise oder Kommentare bitte an info@apwpt.org

Update 23. Juni 2014

BNetzA lässt bisher die Kommentierung der Verbände unberücksichtigt

Im Juni hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) einen Entwurf für die Entscheidung des Verfahrens "Projekt 2016", BK 1-11/003 veröffentlicht.
Die Kommentierung der Verbände wurde dabei nicht berücksichtigt.

Weiterführende Information - Diskussion der zukünftigen 700 MHz-Nutzung
APWPT Analyse und Handlungsempfehlung

Update 6. Mai 2014

BNetzA verzichtete überraschend am 5. Mai auf die Erörterung einer weiteren Digitalen Dividende

Im Rahmen der Eröffnung hat Jochen Homann, Präsident der BNetzA, mitgeteilt, dass eine "DD II" kein Gegenstand dieser Anhörung ist, sondern durch eine gesonderte Anhörung im Rahmen des Verfahrens "Projekt 2016", BK 1-11/003 behandelt wird.
APWPT geht davon aus, dass diese Entscheidung auf Grundlage der Kommentierungen der Verbände aus der Kunst, Kultur und Kreativbranche getroffen wurde.
Die APWPT recherchiert jetzt die sich daraus geänderte Sachlage.

Weiterführende Information - Diskussion der zukünftigen 700 MHz-Nutzung
APWPT Analyse und Handlungsempfehlung

Hintergrundinformation zur BNetzA

Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen ist neben anderen Aufgaben die zuständige Behörde für die Regulierung von Funkfrequenzen.
Bei einer Nutzungsänderung der Rundfunkfrequenzen, die ebenfalls von drahtlosen Mikrofonen und verwandter Technik genutzt werden, müssen in der Regel die Bundesländer zustimmen. Mit Bezug auf die 700 MHz-Rundfunkfrequenzen hat der deutsche Bundesrat mehrfach seine Zustimmung verweigert. Hintergrund sind die entstehenden Nachteile für die TV-Programmverbreitung und die Kultur- und Kreativindustrie, die u.a. die Inhalte für die TV-Programme erstellen.

Weiterführende Informationen

Breitband für alle?
Unbestritten ist der mobile Internetzugang eine wichtige Maßnahme zur Gestaltung der Zukunft. Allerdings haben die Jahre nach der deutschen 800 MHz-Versteigerung gezeigt, dass der Mobilfunk alleine nicht in der Lage ist „blühende Landschaften“ zu erzeugen. Viele Argumente, geäußert vor der 800 MHz-Versteigerung, haben sich nachträglich als Wunschdenken erwiesen. Daher ist die deutsche Politik heute „bescheidener“ und spricht nur noch von „50 Mbit für alle“. Unklar bleibt der praktische Nutzen im realen Einzelfall.

Ist "50 MBit für alle" ein Grund für die Versteigerung von zusätzlichem Funkspektrum?
Ein Blick in das Internet lässt hier Zweifel aufkommen. So zitiert Wikipedia bereits 2007 namhafte Mobilfunkunternehmen, die UMTS anbieten:
"
* Die Telekom Deutschland hat laut eigenen Angaben das gesamte UMTS-Netz mit 42,2 Mbit/s HSDPA ausgerüstet. Im Februar 2007 waren über 60 Prozent der Bevölkerung abgedeckt.
* Das Vodafone-Netz deckt 82 Prozent der Bevölkerung ab und stellt mindestens HSPA+ mit Geschwindigkeiten von 21,6 Mbit/s bereit, während 54 Prozent des Netzes mit HSPA+-Geschwindigkeiten von 42,2 MBit/s ausgelegt sind.
"
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/High_Speed_Downlink_Packet_Access
Wenn Mobilfunkunternehmen bereits 2007 in der Lage waren mittels UMTS-Netzen rund 85% der heute von der Politik gewünschten Datenrate bereitzustellen, dann stellt sich die Frage warum dieser Vorteil nicht genutzt wurde?
Eine andere Internetreferenz stellt hierzu fest:
"
LTE erhöht die Kapazität gegenüber HSPA um Faktor 3,5 (im gleichen Frequenzspektrum) und gegenüber HSPA+ um den Faktor 2,5 (im gleichen Frequenzspektrum). Da die Kosten für eine neue Basisstation um das zehnfache einer Aufrüstung von LTE übersteigt, ist LTE für die Netzbetreiber um einiges attraktiver.
" Quelle: https://www.elektronik-kompendium.de/sites/kom/1301051.htm
APWPT stellt zusammenfassend fest, dass LTE für die Mobilfunkunternehmen wirtschaftlich sehr attraktiv ist, und fragt sich warum dieser wirtschaftliche Vorteil nicht zunächst in den vorhandenen UHF-Mobilfunknetzen (z. B. 900 MHz) umgesetzt wird?

Mobilfunkalternativen?
Aus APWPT-Sicht hat der Mobilfunk durchaus Alternativen in der Hand, u.a.:
1) Umstellung der vorhandenen UMTS-Technik auf das moderne LTE-A. Nach Experteninformation wird dadurch ein größerer Effekt generiert, als durch eine zusätzliche Versteigerung der 700 MHz-Frequenzen. Der Mix von GSM und LTE kann langfristig die Kompatibilität und Kapazität des Mobilfunks sichern.
2) „Nationales Rooming”, vergleichbar zur „letzten Meile im Kabelnetz“ zur Sicherung der flächendeckenden „Coverage“. So können landesweit sehr viele Endgeräte (Handy, Smartphone...) mit den Mobilfunknetzen verbunden sein und werden bei Bedarf in die regional verfügbare Funkzelle mit hoher Übertragungskapazität umgeschaltet.
3) Ausbau der Kabelinfrastruktur. Ein Beispiel ist der Kauf eines deutschen Kabelanbieters durch ein Mobilfunkunternehmen.

Wirtschaftliche Mobilfunkgrenzen
Der Versuch Glasfaser, TV-Kabel oder VDSL in Kombination mit lokalem WLAN durch Mobilfunk zu ersetzen, dürfte sich für lange Zeit als teures Experiment darstellen. „Geiz ist Geil – Mentalität“ im Kontrast zu milliardenschweren Infrastrukturinvestitionen dürfte sich langfristig und insbesondere in "wirtschaftlich unattraktiven Regionen" als wenig zielführend erweisen.

Einnahmen für die deutsche Staatskasse?
In nächster Zeit steht die Versteigerung der durch die Fusion von Telefónica und E-Plus frei werdenden Frequenzen auf der Tagesordnung. Außerdem läuft eine Reihe von Mobilfunkzuweisungen aus und soll ebenfalls zu einem Versteigerungsverfahren führen.

Der deutsche Bundesrat
Mit Bezug auf die 700 MHz-Rundfunkfrequenzen hat der deutsche Bundesrat mehrfach eine sehr eindeutige Position vertreten.
Als Beispiel hat sich der deutsche Bundesrat in einem Beschluss gegen den EU-Vorschlag zur Zentralisierung der elektronischen Kommunikation ausgesprochen:
"
..Der Bundesrat lehnt es ab, dass Frequenzen.. allein als Wirtschaftsgut betrachtet werden. Der Bundesrat erinnert daran, dass Frequenzen notwendige Voraussetzung für den Zugang und die Verbreitung von Kulturgütern sind.. Er unterstreicht, dass es.. in Deutschland auf absehbare Zeit nicht möglich sein wird, das 700-MHz-Band für die drahtlose Breitbandkommunikation zur Verfügung zu stellen.
" Quelle: Die Drucksache 689/1/13 der 917. Sitzung des Bundesrates

Langfristige beabsichtigte 700 MHz-Änderungen sind Gegenstand internationaler Diskussionen
Eine Vielzahl von Gremien mit Teilnehmern u.a. aus Afrika, Europa und den Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) diskutieren derzeit, wie die Frequenznutzung im 700 MHz-Bereich zukünftig aussehen könnte. Soweit uns bekannt ist, betonen diese Arbeitsgruppen, dass drahtlose Mikrofone aktuell die 700 MHz-Frequenzen intensiv nutzen und dafür rasch eine Lösung gefunden werden muss. Es zeichnet sich u.a. ab, dass drahtlose Mikrofone den 700 MHz-Bereich weiter nutzen sollen. Ob und in welchem Umfang das stattfinden kann, ist Gegenstand der internationalen Gremienarbeit. Eine abschließende Entscheidung für die gesamte Region wird voraussichtlich im November 2015 von der nächsten Weltfunkkonferenz getroffen und könnte nachfolgend, zum Beispiel in europäische und/oder nationale Frequenzentscheidungen einfließen.

Pressereaktionen

In diesem Abschnitt berichten wir über uns bekanntgewordenen Presse- und Internetmitteilungen zu diesem Thema.

ProMediaNews.de, April 2014, Digitale Dividende 2 im Anmarsch?

Hinweis für unsere ausländischen Leser

Die Nationen unterscheiden sich in der Zuweisung und Nutzung von Funkfrequenzen zum Teil erheblich. Das gilt für die Rundfunk- und Fernsehfrequenzen, sowie für die drahtlose Mikrofone und andere Drahtlosgeräte, die wir täglich nutzen.
Ein Beispiel: Wenn Ihre Nation eine umfassende und langfristig geplante terrestrische Fernsehausstrahlung hat, ist es durchaus möglich, dass sich die hier dargestellte Diskussion in Ihrem Land erst in geraumer Zeit stattfindet.
Die APWPT sucht daher mit Ihnen den Meinungsaustausch und ist bereit Beispiele anderer Nationen auf ihrer Homepage zu präsentieren: info@apwpt.org